Auf dem Dutplatz liegt Vorfreude in der Luft – Regensburg – News

von Von Milena Brey, Amelie Lugert, Nico Nelz

14. August 2022
12.00

  • Hier wächst das Bierdorf: Stefan Kübler (rechts) mit seinen Helfern beim Bau. Fotos: Nico Nelz
  • Hanneliese Lindner (mit Hund Otto) bedient den Autoscooter.

Regensburg.Die Herbstsaison kommt. Aktuell bereiten die Schausteller und Wirte das Volksfest vor – und trotzen der Corona-Krise und dem Personalmangel.

Jetzt stehen auf dem Dutplatz nur noch drei halbhohe Bierzelte. In der Mitte ist die Erwartung spürbar, nur ein Kinderkarussell ist schon aufgebaut. Schausteller mit größeren Spielzeugen wie dem Riesenrad müssen warten, erst einmal geht es an die Zelte. Am Ende füllen Schießbuden und andere kleine Tribünen die verbleibenden Lücken. Aber es ist noch ruhig.

Zwischen den Anhängern und Lastwagen steht ein kleiner Wohnwagen mit einer farbigen Glastür. Vom Eingang aus streckt ein Dackel seine Nase in die Sonne. Gleich hinter dem Hund Otto steht seine Geliebte Hanneliese Lindner und beobachtet Bauarbeiter, die über den Platz marschieren. Seit über 60 Jahren fährt sie die Autoscooter an der Dult und freut sich jedes Jahr aufs Neue auf ihr Fahrgeschäft in Regensburg.

Es fehlt an Mitarbeitern

Doch die Erwartungen sind in diesem Jahr getrübt: Auch bei Dult macht sich der Personalmangel bemerkbar. „Ich habe nur einen Mann und einen Kran habe ich sowieso nicht“, sagt der 83-Jährige. Früher gab es immer genug Leute, die beim Bau halfen. Zeit ist jetzt von entscheidender Bedeutung; Es ist schwierig, genügend Arbeitskräfte zu finden. „Und für die wenigen Helfer, die da sind, muss ich mehr bezahlen“, sagt Lindner. Auch die Idee des Abbaus stresst sie, denn sie hat nur noch vier Tage Zeit, bis der Autoscooter auf der Wiesn steht.

Trotz aller Schwierigkeiten: Hanneliese Lindner und Otto können Dult kaum erwarten. Sie erzählt, wie oft sich die diesjährigen Maidult-Gäste bei ihr bedankt haben, dass sie endlich wieder Autoscooter fahren darf: „Ich habe noch nie so viele Tipps bekommen“, sagt sie.

Walter Metzger war einer der ersten, der am Dultplatz ankam. Er ist Oberpfalz-Präsident des Bayerischen Landesverbandes der Marktkaufleute und Schausteller und läuft schon lange vor Beginn der Herbstdult über den Platz. Die Regensburger Dult liegt ihm am Herzen, weil sie für ihn eine Familienangelegenheit ist. Auf dem großen Platz nördlich der Donau versammeln sich Jahr für Jahr die gleichen Mitarbeiter mit Anhängern und Touren. „Das verbindet“, sagt Metzger. Auch wegen des Geldes konnten viele den ersten Herbsttag seit der Corona-Pause kaum erwarten. Denn viele Schausteller sind hoch verschuldet. „Allerdings bringen ein oder zwei Dulten das Geld nicht zurück“, sagt Metzger und erklärt, dass 20 % der Händler ihr Geschäft aufgeben mussten. Viele von ihnen haben ihre Pläne geändert und sind jetzt Lkw-Fahrer oder Kassierer. Sie konnten es sich nicht mehr leisten, an der Dult zu arbeiten.

Metzger ist auch über die Schließung der Oberpfalzbrücke verärgert. Denn einige Besucher müssten nun lange Umwege in Kauf nehmen, um die Dult zu erreichen. „Ich bin sehr stolz auf die Oberpfalz“, sagt er. Denn anstatt mit ihren Autos die Straßen zu verstopfen, kamen viele mit dem Fahrrad nach Maidult. Allerdings wünscht er sich von der Stadt eine Lösung für die Herbstdult: Er hofft, dass die Brücke wieder für Fußgänger geöffnet wird.

Unweit des Wohnwagens mit der getönten Glastür liegt Kübler’s Bierstüberl. Stefan Kübler steht auf einer Leiter und kontrolliert das Dach. Ihre Familie frühstückt vor dem Wohnwagen. Sie sind stolz auf ihr kleines Imperium. Kübler sagt: Gemütlichkeit spielt hier eine besonders große Rolle, die Gäste zu schätzen wissen. Kübler glaubt, dass sie die Herbstdult kaum erwarten können.

Familie kam vor Dult

Er sagt: „Eine Familie war so aufgeregt, dass sie uns fahren sehen wollte.“ Für Kübler hat die Herbstdult vor allem einen Zweck: „Die Leute kommen hierher und lassen ihre persönlichen Probleme zu Hause. Volksfeste sind Deutschlands größtes Antidepressivum.“


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