Auf dem Weg zu den Anliegen der Bürger – Fürstenfeldbruck

Seit einigen Jahren lädt Johannes Becher, Landtagsabgeordneter der Grünen Moosburg im Kreis Freising, Bürgerinnen und Bürger zu einem sommerlichen Polit-Spaziergang ein. In diesem Jahr nimmt er Ammer und Amper mit bis zur Einmündung der Isar und zurück in seine Heimatstadt Moosburg. Rund 200 Kilometer wandert der 34-Jährige von Schloss Linderhof nach Wang durch das Ammer-Amper-Gebiet mit Scout Bernhard Hrodek, um sich über Natur und Politik oberbayerischer Gemeinden zu informieren. Die Idee des Sommerspaziergangs entstand 2017, ein Jahr vor der Landtagswahl in Bayern. Er wollte damals gewählt werden: „Jeder Ort musste einmal besucht werden“, sagt Johannes Becher.

Auf ihrem Weg durch den Landkreis Fürstenfeldbruck werden Becher und Rodeck von Gabriele Triebel, einer Kollegin im Landtag, begleitet. Die erste Station im Landkreis ist die Wasserwacht des Bayerischen Roten Kreuzes in Grafrath. Begrüßt werden sie von Rettungsschwimmern und dem Bürgermeister von Grafrath, Markus Kennerknecht. Neben Diskussionen über die Bedeutung des Bevölkerungsschutzes stand das Thema Ehrenamt im Vordergrund. Der Präsident der Kreiswasserwacht Fürstenfeldbruck, Ralph Westenrieder, beklagte den Rückgang der Freiwilligenzahlen im Kreis. Dies führt auch bei der Wasserrettung Fürstenfeldbruck zu akutem Personalmangel, wodurch auch Wochenenden nicht abgedeckt werden können. Es gibt zwar viele Kinder, die sich für eine Ausbildung zum Rettungsschwimmer interessieren, aber im Alter zwischen 15 und 18 Jahren „haben wir definitiv 90 % verloren“, sagt Westenrieder. Das mangelnde Interesse am Ehrenamt liegt laut Becher vor allem an der hohen Erwartungshaltung und geringen Wertschätzung der Ehrenamtlichen. Ehrenamtliches Engagement wird als selbstverständlich angesehen.

Der Parlamentarier betont, dass „Ehrenamt unsere Gesellschaft zusammenhält“ und aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Der Bürgermeister von Grafrather Kennerknecht bestätigte in der Verhandlungsrunde den gravierenden Personalmangel bei den Rettungsschwimmern. Öffentliches Schwimmen im Gemeinschaftsbad kann kaum angeboten werden, da es nur einen aktiven Bademeister gibt. Aber auch der Schwimmunterricht der Grundschulkinder ist im Winter gefährdet. Aufgrund steigender Energiekosten sei ein Dauerbetrieb in den Wintermonaten kaum möglich, sagt Markus Kennerknecht. Nicht nur die Gasheizung ist unbezahlbar geworden, auch an den notwendigen Heizpellets herrscht große Knappheit.

Nach einem Waldspaziergang entlang der Amper werden die Wanderer im nahe gelegenen Schöngeising vom Vorstand des Blasmusikvereins begrüßt. Bei einem Kaffee erläutert die zweite Präsidentin Claudia Hörger die Entstehungsgeschichte und kulturelle Bedeutung des Vereins für das Dorf. Seit über 35 Jahren spielt das Orchester bei örtlichen kirchlichen Veranstaltungen oder Dorffesten wie dem 70-jährigen Jubiläum des Biburger Blütenfestes. Ähnlich wie die Wasserrettung klagen auch Blasmusiker über ein starkes Jugendproblem. Viele Kinder interessieren sich gar nicht dafür, ein Instrument zu lernen, weil die meisten “keine Lust oder Energie für den Musikunterricht nach der Schule haben”, sagt Hörger. Auch das Ferienprogramm des Musikvereins kommt bei Kindern nicht gut an.

Die aktuellen Spieler haben jedoch noch nicht das Interesse an ihrem Verein verloren. Das nächste Projekt ist eine „Bläserklasse für Erwachsene“, kündigt Claudia Hörger an. Johannes Becher verabschiedet sich mit einer kurzen musikalischen Einlage von Präsident und Leiter der Big Band, Wilhelm Hörger. Bis zum 13. August können interessierte Bürger den Abgeordneten auf seinem Spaziergang begleiten.

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