Beim Rhön300 ist die Lust auf Extreme an Bord

Auch digitalisierter Schmuck rund ums Radfahren ist in Schondra nicht zu übersehen. Es ist schon lange her, dass Technikfreaks ein Navigationssystem benutzten, um die Route zu erklären, den Weg zu weisen oder sogar eine speziell installierte Kamera zu bedienen. Es gibt aber auch jene Radler, die sich lieber von den farbigen Holztafeln an den Kreuzungen und Gabelungen leiten lassen und bestenfalls auch die landschaftliche Schönheit wahrnehmen, die auf dem Rhön300 Einzelticket natürlich im Übermaß und völlig kostenlos präsentiert wird. Aber auch so ist das Geld gut angelegt, denn das umfangreiche Leistungsangebot dieser Veranstaltung, die bereits im fünften Jahr stattfindet, ist gut angelegt.

Mal lauter und mal leiser

Das Gemeinschaftserlebnis beginnt schon weit vor dem Start um 6 Uhr morgens, wenn sich die Kick-Experten zum Frühstück versammeln, ihre Energiespeicher mit Kaffee und Brötchen oder Müsli auffüllen und sich im Smalltalk über die aufkommende Nervosität vor dem Zweirad-Abenteuer unterhalten . Und wer in der Nacht zuvor lange in Morpheus’ Armen geschlafen hat, braucht vielleicht einen Moment der Stille in der nahenden Dämmerung, um sich die Sandkörner aus den Augen zu reiben.

Knapp 400 Einsendungen kamen aus ganz Deutschland. Ein Däne, ein Holländer, ein Engländer, ein Italiener, ein Belgier und sogar ein Bulgare gaben einen internationalen Touch. Die Mitreisenden suchten sich eine Bleibe in der Nähe oder richteten sich in ihrem Wohnmobil, Zelt oder Auto ein. Je näher das Startfenster rückte, desto voller wurde das Sportzentrum und desto länger die Schlange am gedeckten Tisch.

Auch wenn mit der Rhön300 die Kalorien sinken, muss bei den sechs Hilfestationen niemand verzweifeln. In Tann/Rhön und Oberthulba wurde auf der längsten der vier Strecken warmes Essen serviert.

Dass nur wenige Teilnehmer das Ende dieser Sightseeing-Tour nicht erreichten, lag an den nahezu idealen Temperaturen. Kurze Kleidung kann angezogen werden. Die Kühle des Morgens war mit der aufgehenden Sonne schnell vorbei und die ersten Kilometer vergingen im Sog des Starterfeldes wie im Flug. Allmählich zerfiel das Feld. Wer in kleiner Gruppe reist, lagert Getreide im Wirbelwind, während die Solisten ganz im Wind sind. Damit könnte natürlich der Schnellste auf der exakten Distanz von 305 Kilometern besser leben, der in weniger als elf Stunden am Ziel vom Moderator abgeholt wurde. Armwärmer und Flaschen standen allen Finalisten zur Verfügung, von denen die letzten gegen 21 Uhr eintrafen.

Mit 68 Jahren war Bernd Hüfner einer der ältesten Teilnehmer, aber auch der Schnellste auf dem 230 Kilometer langen Nordkurs. Speicherzer, ein großer Freund von Organisator Peter Baumgart, ist einer der besten Radsportler seiner Altersklasse. „Ich habe mich sehr gefreut, dass er da war“, sagte Baumgart. Ältester Teilnehmer war übrigens Ernst Klapproth, der mit 81 Jahren davon ausging, die 170 km lange Südrunde zu absolvieren.

Dinge werden sich verändern

Pechvogel des Tages war der Fahrer, der nach einem technischen Defekt mit 70 km/h in einen Graben stürzte und ins Krankenhaus gebracht, am Nachmittag aber wieder entlassen wurde. Ein Beispiel dafür, dass die Rhön300 ein touristischer Ausflug mit hohen Ansprüchen ist. Und nächstes Jahr soll es noch ambitionierter werden. „40 Prozent der Strecke ändert sich. Unter anderem gibt es einen Abstecher für den Spessart nach Burgsinn und Mittelsinn. Auf der langen Strecke kommen dann noch ein paar Höhenmeter zu den aktuell 5.000 dazu“, sagt Peter Baumgart. Das Motto „Erfahre deine Grenzen“ wird mit der Rhön300 voll gelebt.

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