Deutschlands Kader bei der WM 2022: Mehr Schein als Realität

Sieben WM-Tage sind vorbei. Auch Deutschland spielte – und verlor. Und sehr bald konnte er nach Hause gehen.

„Daaaannke, Noah. Ich war unterwegs, als du anriefst, hatte einen guten Tag ohne Arbeit und ohne Deutschland und ohne Fußball.“ Es war sehr spät am Mittwochabend, als sich meine Freundin Laura für meine Geburtstagswünsche bedankte.

Vom enttäuschenden WM-Start Deutschlands hatte Laura nichts mitbekommen, ihren 29. Geburtstag wollte sie lieber in Ruhe verbringen. Und Laura ist dem Fußball alles andere als abgeneigt.

Viele Lauras in Deutschland

Aber genau wie sie müssen es viele Menschen am Mittwoch gespürt haben. Darauf deuten zumindest die am Donnerstag bekanntgegebenen Quoten für das japanisch-deutsche Duell hin. Im Schnitt sahen „nur“ 9,23 Millionen Menschen die Niederlage des DFB gegen die ARD.

Ja, es kann an der frühen Startzeit (14 Uhr) gelegen haben. Und Streaming-Zuschauer und MagentaTV-Zuschauer sind nicht enthalten. Allerdings waren die Quoten für die Nachmittagsspiele bei früheren Turnieren deutlich besser (mehr dazu lesen Sie hier).

Starke Deutsche: Diese deutschen Fans waren vor dem Anpfiff gegen Ghana voller Zuversicht.
Wo ist sie hin, die DFB-Elf, die begeistert? (Quelle: dpa-Bilder)

In Deutschland herrscht derzeit keine Fußball-Euphorie: Nach sieben WM-Tagen hat kein einziges Spiel den Durchschnitt von 10 Millionen Zuschauern geknackt. Und es ist mehr als fraglich, ob noch viele weitere DFB-Spiele folgen werden, die diesen Durchschnitt noch weiter nach oben treiben.

Deutschlands schlechte Bilanz bei großen Turnieren

Denn die deutsche Mannschaft ist bei diesem umstrittenen Turnier nur noch ein Spiel vor Schluss. Wenn Sie mich fragen, denke ich, das ist es. Die Konstellation in Gruppe E lässt den Schluss zu, dass das DFB-Team kaum Chancen auf ein Weiterkommen hat. Lesen Sie hier, wie Deutschland noch das Achtelfinale erreichen kann.

Der (sportliche) Fokus liegt nun auf dem Spiel gegen Spanien. Und dass er nicht daran glaubt, dass die deutsche Mannschaft das Duell mit dem „furchterregenden Gegner“ gewinnen kann, hat nur bedingt mit dem 7:0-Sieg gegen Costa Rica zu tun.

Gavi
Der Spanier Gavi (links) feiert mit José Gaya nach seinem 5:0-Tor gegen Costa Rica. (Quelle: Pavel Golovkin/AP/dpa/dpa-images)

Patrick Berger von Sport1 teilte auf Twitter eine Statistik, die eine klare Sprache spricht: Deutschland hat in den letzten neun Spielen bei großen Turnieren nur zwei Spiele gewonnen und sechs Niederlagen einstecken müssen. In den letzten 14 Spielen gegen den aktuellen WM-Teilnehmer habe es gerade einmal einen Sieg, acht Unentschieden und fünf Pleiten gegeben, schreibt er.

Die Wolke ist immer noch da

Wer diese Zahlen liest, muss zu dem Schluss kommen, dass es das ehemalige Fußball-Kraftwerk Deutschland nicht mehr gibt. Die Erwartung vor Turnieren ist und war immer, mit dem Pokal nach Hause zu gehen. Aber es entspricht nicht der Realität. Es ist mehr Schein als Wirklichkeit.

Und neben dem sportlichen Scheitern ist da auch die Unreife der Spieler eines Verbandes, der der FIFA nachgab und sich auf mehreren Ebenen dem Gespött aussetzte. Das Imageproblem, das der DFB und die Nationalmannschaft haben, wird während des Turniers definitiv nicht gelöst.

Im November 2020 sprach Nationalmannschaftsdirektor Joachim Löw von einer dunklen Wolke, die über dem DFB-Team hänge. Dieser Wolke konnte sich der Verband bis heute nicht entziehen – im Gegenteil. Einige Duschen wurden hinzugefügt. Und am Sonntag droht Gewitter.

WM-Anekdote

Lange nach Deutschlands Pleite, es war fast Mitternacht in Katar, ging ich auf einen Kaffee in die Kantine des Fifa-Medienzentrums in Doha. Dort traf ich Vivile, eine Mitarbeiterin aus Südafrika, die mir Kaffee und ein Schwätzchen gab. „Aus welchem ​​Land kommst du?“, fragte er mich. „Deutschland“, antwortete ich. Vivile verzog ihr Gesicht zu einer schmerzerfüllten Grimasse. „Ich habe bisher zwei Wetten auf diese WM abgeschlossen. Eine auf Argentinien, eine auf Deutschland. Ich wünsche ihm, dass sein nächstes Konto gut läuft. Aber vielleicht sollte er nicht auf Deutschland setzen.

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