Freitag ist Backtag | suedostschweiz.ch

Ursprünglich gehörte die Bäckerei der Ems-Chemie und diente als Bäckerei und Wäscherei. 1983 wurde der große Holzofen renoviert und eingebaut. Die Grundmauern und das Dach blieben erhalten. „Damals kamen die alten Frauen des Dorfes hierher, um zu sehen, was in diesem Häuschen passiert“, sagt die heute bekannte Erica. Denn jeden Freitag heizt und backt sie mit verschiedenen Gruppen. Warum Freitag? Natürlich um am Wochenende frische Brötchen parat zu haben.

Wenn es hohl klingt, ist es fertig

Vor dem Start erfolgt eine Nachverbrennung, um die erforderliche Temperatur im Ofen zu erreichen. Währenddessen plaudert Erica vom Nähkästchen weg. Den Teig nicht länger als fünf bis sechs Stunden gehen lassen. Andernfalls wird es zusammenbrechen. „Aber“, sagt Erica, „der Teig kann durchaus am Vorabend zubereitet werden, er muss nur im Kühlschrank aufbewahrt werden.“ Auf dem Tisch steht eine große Menge Brotteig bereit. Erica hat gestern Abend den Wurzelteig geknetet und über Nacht in der kalten Backstube ruhen lassen. Und genau daraus werden fleißig die Brote geformt. Der leidenschaftliche Bäcker zeigt, wie es geht, während das Feuer knistert und für eine wohlige Wärme sorgt. Erica erzählt und beantwortet Fragen. „Ja klar, wenn man auf das gebackene Brot schlägt und es hohl aussieht, kann man es aus dem Ofen nehmen“, sagt sie. Als gelernte Brotbäckerin braucht sie das natürlich nicht mehr. Das spürt sie nach vierzig Jahren definitiv.

Eine Katze wandert um das Haus herum und steckt neugierig ihre Nase in das Häuschen. Draußen werden die Hände mit dem Wasser aus dem Schlauch von Teigresten gereinigt und die geformten Laibe backfertig abgelegt. Ist Pasta ein Geheimrezept? „Nein, nein“, entgegnet Erica und öffnet das Fenster. Rauch hat sich langsam in dem Häuschen gebildet und brennt in den Augen.

„Wir haben fünf Jahre lang geprobt, bis wir die Entlassung bekamen und gebacken“, sagt Erica, die pensionierte Kindergärtnerin, die während ihrer Berufsjahre frühmorgens vor Arbeitsbeginn in der Bäckerei war. „Allein die großen Temperaturunterschiede zwischen den Jahreszeiten machten es anfangs schwierig“, sagt sie. Auch das Gewölbe um den Hochofen wurde mit Sand gefüllt. Und wenn es im Winter friert, braucht alles mehr Zeit und Geduld. Heute, an diesem heißen Tag, ist eine Stunde Backen und eine Stunde Backen mehr als genug.

Auch draußen riecht es nach Bäckerei

Es sollten nicht mehr als vier Garrunden pro Tag stattfinden, da die Hitze im Backofen mit der Zeit zunimmt. Und wie viele Brote reichen für eine Runde, stellt sich die Frage. „Wenn sie alle die gleiche Form haben und nicht zu groß sind, bringe ich 40 Brotlaibe mit“, sagt Erica und verteilt die großen Kohlenstücke. Der Luftzug sollte leicht geöffnet werden, damit die Feuchtigkeit aus dem Ofen entweichen kann und das Brot eine dicke Kruste bekommt. Sonst wäre es verwirrend, sagt Erica.

Rauch entweicht durch den Schornstein und auch draußen riecht es nach Bäckerei. Regionale Köstlichkeiten werden verkostet, während der Braten für eine Stunde im Ofen aufgeht.

Erica steht wieder am Herd. Mit langen Schaufeln befreit sie die vielen Brote von der Hitze. Sie ist ganz in ihrem Element und präsentiert stolz die duftenden Ergebnisse, bevor ihre Gäste nach Hause zurückkehren. Jenseits des Dorfbrunnens plaudern und lachen die Menschen, die Steilkurve hinauf zur Postautostation. Und frisch gebackenes Brot riecht nach Bäckertüten.

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