Friedrichshafen: Die Zeppelin Universität will bis 2023 klimaneutral sein

Bei der ersten Klimabilanz gab es eine Überraschung: Die Flüge der Wissenschaftler verursachten den höchsten Anteil an klimaschädlichen Emissionen im Betrieb der Zeppelin Universität (ZU). 2019 machten sie 45 % aus. „Wir verwenden Daten von 2017 bis 2019 als Basis, da die Jahre 2020 und 2021 Corona-bedingt deutlich vom Normalbetrieb abgewichen sind“, erklärt Fabian Sennekamp. Neben den Dienstreisen entfällt ein Drittel auf Heizung und Strom für den Campus Fallenbrunnen, der Rest wird für die Versorgung des Campus am See und die Betankung der Firmenfahrzeuge verwendet.

Fabian Sennekamp (links) ist Direktor für Nachhaltigkeit an der Zeppelin Universität, Johanna Nagel (Mitte, per Video zugeschaltet)...

Fabian Sennekamp (links) ist Direktor für Nachhaltigkeit an der Zeppelin Universität, Johanna Nagel (Mitte, per Video zugeschaltet) arbeitet als studentische Hilfskraft im Zukunftsbüro und Moritz Schön ist derzeit studentischer Vizepräsident. | Bild: Corinna Raupach

Sennekamp ist für die Zukunftsfähigkeit der Hochschule verantwortlich. Gemeinsam mit dem Arbeitskreis „Nachhaltig ZU“ und dem Zukunftsbüro ist es Ihre Aufgabe, die ZU auf dem Weg der Klimaneutralität voranzubringen. Bis 2035 soll der gesamte Betrieb klimaneutral sein. „Immer mehr Kollegen und Studenten wollten etwas in diese Richtung machen, und es gab immer wieder einzelne Nachhaltigkeitsprojekte“, sagt er. Um diese Bemühungen zu bündeln, wurde 2017 das Zukunftsbüro gegründet und 2019 die Arbeitsgruppe „TO Sustentável“ gegründet.

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Zugreisen ersetzen Kurzstreckenflüge

Als Herausforderung erwiesen sich veränderte Reisegewohnheiten. Forscher seien auf die Teilnahme an Tagungen und Kongressen angewiesen, erklärt Sennekamp. Eine Überprüfung ergab, dass 80 % der Flüge innerhalb Europas durchgeführt wurden. Eine neue Reiserichtlinie verbietet nun Kurzstreckenflüge und macht Bahnreisen attraktiver.

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Trotzdem gab es Proteste. „Es hat geholfen, dass das Management und das Executive Committee uns unterstützt haben“, sagt er. Einige Kolleginnen und Kollegen haben sogar die Vorteile der Bahnfahrt für sich entdeckt, da sie im Zug besser arbeiten können als im Flugzeug. Es wurde einfacher und mittelfristig sogar günstiger, Leuchtmittel durch LEDs zu ersetzen, Bewegungsmelder zu installieren und abschaltbare Steckdosenleisten zu kaufen.

„Es geht immer darum, alle Beteiligten zu sensibilisieren, um beispielsweise Energieverluste durch Stand-by-Betrieb zu vermeiden.“

Fabian Sennekamp, ​​​​Director of Sustainability an der Zeppelin Universität

Elektroautos zum Pendeln zwischen Standorten

Seit 2019 bezieht die Hochschule Ökostrom aus Wasserkraftwerken in Vorarlberg. Beheizt wird der Fallenbrunnen vom Blockheizkraftwerk der Stadtwerke am See am Seecampus mit einer Gastherme. „Wir planen im Rahmen der Dachsanierung eine Photovoltaikanlage auf dem Campus Fallenbrunnen. Es könnte eine große Anlage werden, mit der wir einen Großteil unseres Stroms produzieren können“, sagt Sennekamp. Die ZU verhandelt mit dem Vermieter über Solaranlagen auf dem Dach des Seecampus.

Die ZU verhandelt mit der...

Die ZU verhandelt mit dem Eigentümer über eine Solaranlage auf dem Dach des Seecampus, wo Fabian Sennekamp (links) und Moritz Schön hier sind. | Bild: Corinna Raupach

Auch das Pendeln zwischen den beiden Standorten soll ökologischer werden. Die Hochschule stellt den Beschäftigten zu diesem Zweck zwei Elektroautos mit Ladestation zur Verfügung und stellt seit 2019 E-Bikes als Diensträder zur Miete zur Verfügung. Neben überdachten Abstellplätzen für Fahrräder steht den Studierenden auch mobiles Carsharing an der Hochschule zur Verfügung Campus mit Elektrofahrzeugen.

Aber Energie ist nur ein Problem. Klimaneutralität und Nachhaltigkeit müssen verstärkt Eingang in Lehre und Forschung finden. Die Hochschule sucht den Austausch mit regionalen Akteuren wie Stadt, Landkreis und Unternehmen, beteiligt sich an Aktivitäten wie dem Stadtradeln und bietet Veranstaltungen und Vorträge zum Thema an. Forschung, beispielsweise zur klimaangepassten Stadtplanung, soll direkt der Stadtentwicklung zugute kommen.

Für die Fahrt zwischen den beiden Standorten hat die ZU zwei Elektrofahrzeuge angeschafft.

Für die Fahrt zwischen den beiden Standorten hat die ZU zwei Elektrofahrzeuge angeschafft. | Bild: Corinna Raupach

Fairtrade Kaffee- und Porzellantassen

Auch was auf dem Campus konsumiert wird, muss nachhaltig sein. „Seit 2017 sind wir Fairtrade-Hochschule. Dafür müssen wir fünf Kriterien erfüllen, die alle zwei Jahre überprüft werden“, sagt Johanna Nagel, die als studentische Hilfskraft im Zukunftsbüro arbeitet. Der Kaffee in der Kantine und in den Kaffeemaschinen auf dem Gelände stammt ausschließlich aus fairem Handel – allein in den Maschinen sind es sechshundert Pesos im Jahr. Snackautomaten führen sowohl Standard- als auch Fairtrade-Produkte.

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In der Kantine hat sich viel getan: Fleisch und Gemüse kommen aus der Region, die Speisekarte ist saisonal. „Es gibt eine Steuerungsgruppe, die sich zu Beginn und am Ende des Semesters trifft und überlegt, was noch besser werden kann“, sagt Nagel. Das während der Corona-Zeit eingeführte Bestellsystem wurde beibehalten: Da die Küche im Voraus weiß, wie viele Personen was essen möchten, kann sie den Einkauf entsprechend organisieren. „Fast keine Reste“, stellte Nagel fest.

Täglich wird ein vegetarisches oder veganes Gericht angeboten, das etwas günstiger ist als das Fleischgericht.

Täglich wird ein vegetarisches oder veganes Gericht angeboten, das etwas günstiger ist als das Fleischgericht. | Bild: Corinna Raupach

Auch Einweg-Coffee-to-go-Becher wurden abgeschafft. „Wir sind auf Porzellantassen umgestiegen, die haben eine ganz andere Langlebigkeit“, sagt Moritz Schön. Als studentischer Vizepräsident ist er Mitglied der Arbeitsgruppe „TO Sustentável“. Seiner Meinung nach hat die ZU bereits viel erreicht. „Wir haben das Glück, eine geisteswissenschaftliche Universität zu sein. Wir haben Bibliotheken, aber wir haben keine Labors oder Werkstätten.“ Einen weiteren Vorteil sieht er darin, dass die ZU relativ klein ist, was die Kommunikation erleichtert.

Es gibt noch viel zu tun: Ein funktionierendes Energiemanagementsystem muss die kontinuierliche Überprüfung von Energiedaten weiterentwickeln. „Langfristig wollen wir über Stromspeicher für Photovoltaik nachdenken – im August wird viel Solarstrom produziert, aber das ist für uns ein Schwachlastmonat“, sagt Fabian Sennekamp. Der Papierverbrauch soll sinken – die ZU verwendet zwar Recyclingpapier, verbraucht aber immer noch rund 800.000 Blatt pro Jahr. Die Mensa erwägt, die mit den Gerichten auf der Speisekarte verbundenen Treibhausgasemissionen auszuweisen. Auch eine weitere Betriebsunterbrechung ist im Gespräch – bis auf die Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönigen stehen die Zimmer noch 24 Stunden zur Verfügung.

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