Fürstenfeldbruck: Mit dem Quad über den Verkehrsübungsplatz – Fürstenfeldbruck

Noch ist es ruhig im Verkehrsübungsplatz an der Theodor-Heuss-Straße. Nur zwei Kinder gehen durch die Gassen des Komplexes, während ihre Großeltern beim Kaffee plaudern. Bastian Kubitza (37) freut sich am roten Kiosk seiner Kinderverkehrsschule und wartet mit seinem Team auf die Ankunft einer Besuchergruppe. Ein paar Minuten später erscheint die Kindergruppe. Die jungen Mitarbeiter erklären den Kindern die Verkehrszeichen und den Umgang mit den kleinen Fahrzeugen. Zunächst sind die Jungs und Mädels so aufgeregt, dass nach wenigen Metern ein Junge auf den Rasen der Anlage läuft. Nach einigen Versuchen gewöhnten sich die meisten jedoch an die Fahrzeuge, sodass es außer kleineren Auffahrunfällen keine Pannen mehr gab. Obwohl viele Kinder mit Fahrzeugen eine Art Katz-und-Maus-Spiel spielen, befolgen sie die Verkehrsregeln fast ausnahmslos und gewissenhaft.

In Fünf-Minuten-Runden jagen Kids die Mini-Vehicles mit 15 bis 20 Stundenkilometern durch die Verkehrsfläche, während Großeltern und Eltern bei einem Drink von der dazugehörigen Terrasse das bunte Treiben beobachten können.

Auf dem rund 2.000 Quadratmeter großen Straßennetz, ausgestattet mit echten Ampeln, Ampeln und Zebrastreifen, lernen Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren ganzjährig spielerisch die Verkehrsregeln kennen. Mit Unterstützung des Teams erfahren sie, wie wichtig Verkehrsregeln oder Bremswege auf Kinderquads und Minicars sind, um diese besser einschätzen zu können – zum Beispiel auf dem Schulweg.

Fürstenfeldbruck: Verkehrserziehung macht mit dem ATV richtig Spaß.

Verkehrserziehung macht mit dem Quad richtig Spaß.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Als Freizeitattraktion ist das „Kiddi-Car“ mittlerweile weit über die Nachbarschaft hinaus bekannt. Familien aus München und den umliegenden Städten kommen regelmäßig. Kubitza freute sich besonders, als Familien aus Bad Tölz und Innsbruck nach Fürstenfeldbruck kamen. Allerdings ist er nur ein wenig überrascht: „Diese Attraktion gibt es sonst nirgendwo in Bayern. Vor allem nicht in dieser Größenordnung und Atmosphäre“, sagt er stolz.

Kubitzas Eltern, Nora und Ehrenfried Kubitza, starteten 1997 beim Verkehrstrainingslager der Messe Fürstenfeldbruck. Ehrenfried Kubitza musste sein bisheriges Unternehmen aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Da der städtische Übungsplatz nur an manchen Vormittagen genutzt wurde, boten die Kubitzas nachmittags Fahrten im „Kiddi-Car“ an. Ein Jahr später zog das Unternehmen in die Theodor-Heuss-Straße um. Die Doppelnutzung für Polizeiradfahrübungen am Morgen und als Freizeitattraktion am Nachmittag funktioniert auch heute noch gut, erklärt Kubitza.

Als gelernter Schlosser habe Ehrenfried Kubitza sein handwerkliches Geschick von Anfang an für Wartungsarbeiten an der Anlage und Kleinkraftwagen eingesetzt, sagt Bastian Kubitza. Erst als er 2013 von Benzinautos auf Elektroautos umstieg, zog er Teile der Wartung des Fahrzeugs zurück. Diesen Schritt taten sie nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch aus „allgemeiner Rücksichtnahme“ auf Nachbarn und Besucher. Benzin-Minifahrzeuge machten viel Lärm und rochen nach Benzin und Abgasen.

Bis heute ist Gründerin Nora Kubitza fester Bestandteil des Kiddi Car Teams. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2016 übernahm sie einige seiner Aufgaben. Sie ist „das Herz und die Seele des Unternehmens“, sagt ihr Sohn Bastian Kubitza, und erledigt neben der Organisation von Kindergeburtstagen in der Freizeitstätte auch Büroarbeiten.

Für Bastian Kubitza ist es selbstverständlich, den Freizeitpark seiner Eltern weiter zu führen. Der gelernte Fitnessökonom sagt, er sei seit seinem 12. Lebensjahr fast täglich zum Training seiner Eltern gegangen und dort aufgewachsen. Als junger Arbeiter und Basketballtrainer hatte er auch Erfahrung in der Arbeit mit Kindergruppen. Er will den Kinderverkehrs-Übungsplatz noch mindestens 25 Jahre weiterbetreiben, denn „die leuchtenden Augen der Kinder nach der Fahrt“ und ihre Entwicklung im Straßenverkehr bestätigen die Arbeit des Teams.

Trainingsfahrten stellen die Mitarbeiter immer vor kleine Herausforderungen: „Man kann sagen, dass Kinder heute weniger motorisiert sind als noch vor zehn Jahren“, sagt Bastian Kubitza. Das Üben von Spaziergängen in einer geschützten Umgebung ist daher für Kinder umso wichtiger. Dies macht sich besonders beim Fahren in Elektrofahrzeugen bemerkbar. „Auf diesem Platz gibt es fast nichts, was noch nie jemand betreten hat“, sagt Mitarbeiter Patrick Weber (27) lachend. In all den 25 Jahren gab es jedoch noch nie ernsthafte Verletzungen.

“Das Schlimmste ist ein verletztes Knie, wenn Kinder zu schnell für Autos rennen”, sagt Kubitza. Kinder werden in Fahrzeugen mit Dreipunktgurten und Quads mit Helmen angeschnallt und stehen unter ständiger Überwachung. Zur Vorbereitung auf Notfälle plant das Team von Kiddi-Car gemeinsam mit dem Bayerischen Roten Kreuz einen Erste-Hilfe-Kurs für Kinder, in dem Kindern zum Beispiel die Wundversorgung oder der Notruf erklärt wird.

Die Einrichtung ist ganzjährig an Wochenenden und Feiertagen und in den Schulferien täglich von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Firmenevents und Geburtstagsfeiern können nach Vereinbarung arrangiert werden.

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