Mit diesen genialen Tricks verschwenden Sie weniger Lebensmittel

Aktualisiert am 10.06.2022 20:02

  • Lebensmittelverschwendung ist zu einem alltäglichen Problem geworden.
  • Viel mehr kann im Magen landen statt im Müll.
  • Drei Profis geben Tipps, wie man jeden Tag Lebensmittel zu Hause rettet.

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Es ist eine normale Woche. Am Freitag Wochenend-Einkauf im Supermarkt: Tomaten sind in einer Plastikbox, Bio-Wurst ist nur verpackt. Zuhause quillt die Tonne mal wieder über. Am Montag landet eine Brotkruste im Müll, verkrustet auf den Frühstücksbrötchen. Eine halbe Schüssel Schlagsahne vom Nachmittagskuchen, der Rest Reis vom Mittagessen, ein verschimmelter Joghurt hinten im Kühlschrank – weg damit.

In unseren Küchen wird viel entsorgt: Laut Statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2020 in Privathaushalten 78 Kilogramm Verpackungsmüll pro Kopf gesammelt. Jeder von uns wirft zu Hause jährlich 78 Kilogramm Lebensmittel weg. Die Hälfte davon wäre leicht vermeidbar.

Zum Vergleich: Das, was wir zu Hause wegwerfen, macht mehr als die Hälfte aller Lebensmittelabfälle in Deutschland aus. 17 % stammen aus der Außer-Haus-Verpflegung in Kantinen und Restaurants, 15 % aus der Verarbeitung.

unnötige Verschwendung von Ressourcen

Für all diese Lebensmittel wurden die Rohstoffe angebaut, die Land, Wasser und Phosphor verbrauchten, die Rinder fraßen und viel CO2 produzierten. Wissenschaftler haben errechnet, dass bei einer Halbierung der Lebensmittelverschwendung in Deutschland sechs Millionen Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden könnten.

Dies allein wird den Klimawandel nicht aufhalten, aber es ist ein weiteres Puzzleteil zur Reduzierung von Emissionen. In einem aktuellen Positionspapier fordert das Bündnis Lebensmittelrettung gemeinsam mit der Deutschen Umwelthilfe ein entschlossenes Handeln der Bundesregierung: Verbindliche Reduktionsziele, Rechtssicherheit für Lebensmittelrettungsorganisationen und Lebensmitteltransfers müssen gefördert werden.

Aber jeder von uns kann auch dazu beitragen, dass weniger Lebensmittel im Müll landen. Sie müssen kein Spitzenkoch sein, um mit Bananenschalen oder Karottenblättern kreative Köstlichkeiten zuzubereiten. Viel wichtiger ist, dass wir im Alltag ein neues Bewusstsein für Lebensmittel entwickeln – genießen statt wegwerfen.

Durchbrechen Sie die täglichen Routinen

Clever einkaufen, Lebensmittel richtig lagern, Vorräte im Auge behalten, Reste verwerten – das wäre ein Riesengewinn. Trotzdem machen es die meisten von uns nicht sehr gut. Sind wir alle unwissend? Sicherlich nicht.

Da alles immer und überall verfügbar und Lebensmittel vergleichsweise günstig sind, vergessen wir den planvollen Umgang damit. Nach der Arbeit hüpfen wir in den Supermarkt und überlegen, was wir abends kochen können. Wochenpläne schreiben, Lebensmittel einlagern, Reste kochen – wer kann das schon?

Auch wenn wir bewusst einkaufen, stecken wir ständig in einem Entscheidungsdilemma: Wenn ich die kleine Portion kaufe, verdirbt sie nicht so sehr, aber es entsteht mehr Verpackungsmüll. Verpackte Würste halten länger als frisch verpackte, aber das zusätzliche Plastik landet im Müll.

Ernährungsexperte: „Bei uns gibt es einmal die Woche Buffet – die Kinder finden das super“

Der Versuch, es richtig zu machen, ist oft nicht einfach – und das bedeutet leider, dass wir uns nach wie vor im Weg stehen. Da das aber auch keine Lösung ist, haben wir drei Experten zu ihrer Strategie befragt:

  • Frank Waskow, Ernährungsexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: „Ich finde es nicht richtig, den Verbrauchern die Hauptschuld zu geben. Sie sollen sich gesund und umweltfreundlich ernähren, alle Etiketten im Auge behalten, Verpackungen vermeiden und auch auf Food Waste achten. Das ist überwältigend.

    In Sachen Food Waste lautet mein Tipp: Such dir zwei Dinge aus, die du einfach umsetzen kannst und leg los. Wir haben zum Beispiel zu Hause eine Bestandsaufnahme gemacht und aufgeschrieben, was in der Tiefkühltruhe war. Es war voll, aber niemand hatte einen Überblick. Jetzt hängt eine Liste aller Tiefkühlkost an der Tür. Wenn wir etwas wegnehmen, kratzen wir es, es kommt etwas Neues hinzu. Dasselbe machen wir für die Speisekammer und den Kühlschrank. So entsteht unterwegs eine Einkaufsliste und wir müssen nur noch die Bestände nach frischen Sachen checken.

    Einmal die Woche gibt es bei uns Reste. Alles wird als Buffet serviert. Kinder lieben es, weil es immer etwas gibt, das ihnen gefällt.”

Bevor Zitronen faulen: Zitronenzucker daraus machen

  • Claudia Kay-Rudhardt titelt „Werft mich nicht weg!“ im Umweltzentrum Hollen: „Der erste Schritt besteht darin, sich anzusehen, was Sie normalerweise wegwerfen, und sich Lösungen dafür auszudenken. Wenn immer ein Schluck Sahne in der Packung ist, können Sie den Rest in der Eiswürfelschale einfrieren und haben etwas für Ihre nächste Suppe.

    Wenn Sie nur einen halben Lauch benötigen, hacken Sie den Rest und frieren Sie ihn ein, bevor er schlecht wird. Das spart Zeit beim nächsten Kochen. Patties oder Desserts können aus altbackenem Brot hergestellt werden.

    Oft bleibt eine halbe Zitrone übrig, die im Kühlschrank verfault ist. Jetzt Zitronenzucker zubereiten: Zitronenschale mit 100 Gramm Zucker mischen, gut vermischen, in ein sauberes Glas gießen – super zum Backen oder Salatdressing.”

Portal spuckt Rezept für übrig gebliebene Zutaten aus, durchscheinende Schüssel dient als Trick

  • Simone Abels vom Projekt FoodLabHome, Leuphana Universität Lüneburg: Ich weiß, Abfall ist kein besonders attraktives Thema, aber ich empfehle trotzdem, ihn zu wiegen und mit unserem Food Waste Tracker zu berechnen, wie viel CO2 bei Produktion, Verarbeitung, Transport, Lagerung und Haushalt entsteht.

    100 Gramm Brot entsprechen beispielsweise dem CO2-Ausstoß, der durch den Betrieb einer LED-Lampe über 24 Stunden entsteht. Da sieht man schnell, was die größten Klimasünder sind: Fleisch, Kakao, Kaffee, Tee. Hier lohnt es sich, Verschwendung zu vermeiden.

    Portale wie restegourmet.de helfen dabei, weniger Lebensmittel wegzuwerfen. Man gibt ein, welche Zutaten im Haus sind und die entsprechenden Rezepte werden angezeigt. Bei Bio-Gemüse – zum Beispiel Möhren oder Kartoffeln – kann man die Schale problemlos mitessen. Und wer Reste im Kühlschrank in durchsichtigen Schalen aufbewahrt, hat sie im Blick und damit im Kopf.“

Über die Experten:

Frank Wakow ist wissenschaftlicher Berater für Lebensmittelqualität und Nachhaltigkeit bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Unter anderem arbeitete er an dem vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt Reduce Food Waste (ReFoWas).

Claudia Kay Rudhardt ist Ökotrophologe. Im Rahmen der Aktion “Wirf mich nicht weg!” Bringen Sie Kindern in Grundschulen bei, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden. Im Podcast “Werft mich nicht weg!” es geht um Lebensmittelrettung. Die Initiative stellt Rezepte kostenlos zur Verfügung.
Simone Abel ist Lehrerin für Naturwissenschaften. Im Projekt FoodLabHome entwickelte er Strategien, um junge Menschen für Lebensmittelabfälle im Haushalt und die damit verbundenen Treibhausgasemissionen zu sensibilisieren. Im Rahmen eines Projekts wurde ein Food Waste Tracker entwickelt, mit dem gemessen werden kann, wie viele CO2-Äquivalente der eigene Abfall verursacht.
Dieser Beitrag stammt vom Journalistenportal RiffReporter. Auf riffreporter.de berichten rund 100 unabhängige Journalisten gemeinsam über Zeitgeschehen und Hintergründe. RiffReporter wurde für sein Angebot mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet.
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