Nach einem Punkt gegen Spanien darf Deutschland noch auf ein WM-Achtelfinale hoffen

Joker-Krug beißt

FIFA WM 2022 – DFB-Kader

4 Minuten



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Niclas Füllkrug jubelt nach dem Ausgleich.

Foto: Christian Charisius/dpa


Der Joker stach. Niclas Füllkrug bewahrte Deutschland vor einem zweiten WM-Rückschlag. Mit dem Bremer Tor in der 83. Minute bestanden die DFB-Elf knapp die Charakterprobe gegen den Angstgegner Spanien.

Mit vereinten Kräften entrissen die deutschen Fußballer ihrem Angstgegner das 1:1 (0:0), nachdem Álvaro Morata (61.) ein Gegentor kassiert hatte. Doch das Zittern ist für Hansi Flick noch lange nicht vorbei. Nach dem hart umkämpften Unentschieden im Beduinenstadion von Al-Khour ist der erste Sieg in Katar nun entscheidend für die Qualifikation für das Achtelfinale am Donnerstag gegen Costa Rica. Andernfalls wird ein peinliches zweites WM-Unentschieden in Folge in der Gruppenphase für den vierfachen Meister noch bittere Realität sein.

dauert noch

Mit nur einem Punkt ist Deutschland nach dem schlechtesten Start in der langen WM-Geschichte immer noch Schlusslicht der Gruppe E. Mit der unerwarteten Hilfe des Sieges Costa Ricas gegen Japan nur wenige Stunden vor dem intensiven Duell des Ex-Weltmeisters hat die DFB-Elf das Turniergeschick wieder selbst in der Hand – auch wenn Spanien in einem Pflichtspiel einfach nicht zu schlagen war seit 34 Jahren.

Lange Zeit war den Mannschaften klar, worum es für sie ging – die Spanier hätten nach dem 7:0-Offensivwirbel gegen Costa Rica dank eines hervorragenden Torverhältnisses mit einem zweiten Sieg für das Achtelfinale einplanen müssen. Doch der 29-jährige Pitcher von Werder Bremen setzte seine unglaubliche Geschichte in seinem erst dritten Länderspieleinsatz mit dem zweiten Tor im Nationaltrikot fort.

Niclas Füllkrug traf nach seiner Einwechslung zum 1:1.

Foto: Federico Gambarini/dpa

Beide Teams wollten zunächst kein Risiko eingehen, Taktik war Trumpf, das Aufbauspiel bestand aus viel Abtasten und Abwarten auf beiden Seiten. Die erste und lange Zeit einzige Großchance der Spanier vereitelte Neuer mit einer unkonventionellen Parade gegen Dani Olmo.

Die Spanier bewiesen weiterhin ihre spielerische Klasse mit feiner Ballannahme. Um das Zentrum zu „schließen“ und eine Kombination der Iberer zu verhindern, platzierte Flick den im Spiel gegen Japan eingewechselten Leon Goretzka neben seinem Bayern-Teamkollegen Joshua Kimmich im defensiven Mittelfeld. Mit seiner Physis zeigte Goretzka die Qualitäten, die von der Nationalmannschaft erwartet werden, brach immer wieder das Gefüge des spanischen Spiels.

Die Mitte hielt defensiv fest, doch offensiv ging Flicks Plan früh nicht auf. Thomas Müller war oft auswärts als Torschütze unterwegs, hatte aber wenig Einfluss auf das Spiel. Der junge Jamal Musiala zeigte auf der linken Angriffsseite keine Wirkung und beschwerte sich mehrfach.

Spanien schockt DFB-Truppe

Spanien blieb immer gefährlich – und schockierte die deutsche Mannschaft. Thilo Kehrer, Stammspieler von Nico Schlotterbeck, war auf der rechten Außenbahn weit von Jordi Alba entfernt. Die Flachflanke des FC-Barcelona-Profis wurde von Morata aufgenommen, der einen Schritt schneller war als Süle.

“Ein Punkt gibt Hoffnung” – Ein Kommentar von Martin Schwarzkopf

Main-Echo Aschaffenburg – Chefredakteur Martin Schwarzkopf Fotograf: Björn Friedrich

Foto: Björn Friedrich

Kann das reichen? Mit diesem Unentschieden gegen Spanien setzte die deutsche Mannschaft ein Lebenszeichen. Mit einem Punkt stehen die Deutschen an der Spitze der Gruppentabelle. Angesichts der Unterstützung Spaniens gegen Japan und des eigenen Sieges im letzten Spiel der Gruppenphase bleibt ein Aufstieg eine realistische Option.

Doch schon jetzt werden unangenehme Fragen gestellt: Muss der weltgrößte Vereinsfußball künftig wesentlich kleinere Brotlaibe backen? Ein bisschen mehr Demut wird unabdingbar sein. Zudem bedarf es einer schonungslosen Analyse, um nicht immer wieder die gleichen Fehler zwischen Selbstüberschätzung und unbedingtem Mangel an Siegeswillen zu begehen.

Der Fokus liegt nun natürlich auf dem abschließenden Gruppenspiel gegen Costa Rica. Natürlich muss Hansi Flick alles versuchen, um die realistische Chance zu nutzen – die Rückendeckung der Spanier zu übernehmen. Es geht auch um Selbstachtung, nicht ganz ohne Erfolgserlebnisse zu sein. Und es geht um die Zukunft von Hansi Flick, der ohne einen einzigen Sieg in Katar nicht als Nationaltrainer bleiben kann. 🇧🇷msc🇧🇷

Der Unterschied war ein leichter Schlag für das deutsche Team. Kurz nach der Führung der Spanier feuerte Marco Asensio einen Freistoß aus 16 Metern über Neuers Tor ab. Flick brachte Füllkrug und den genesenen Leroy Sané in die Offensive – diesmal stimmten die Wechsel.

Für alles endete der eingewechselte Niclas Füllkrug mit dem Nullpunkt. Sané setzte Musiala ein, der mit toller Ballkontrolle absetzte, Bremer vollendete. Mit dem umstrittenen Punktsieg ist für die deutsche Mannschaft nun alles möglich.

Arne Richter und Klaus Bergmann

Spanien 1-1 Deutschland

Spanien: Simon (Athletic Bilbao/25/29) – Carvajal (Real Madrid/30/32), Rodri (Manchester City/26/36), Laporte (Manchester City/28/18), Jordi Alba (FC Barcelona/33/89 – 82. Bucket (FC Barcelona/19/2) – Busquets (FC Barcelona/34/141) – Pedri (FC Barcelona/20/16), Gavi (FC Barcelona/18/15 – 66. Williams (Athletic Bilbao/20/ 5)) – F. Torres (FC Barcelona/22/33 – 54 Morata (Atlético Madrid/30/59)), Asensio (Real Madrid/26/33 – 66 Koke (Atlético Madrid/30/70)), Olmo ( RB Leipzig/24/27).

Deutschland: Neuer (Bayern München/36/116) – Kehrer (West Ham United/26/24 – 70. Klostermann (RB Leipzig/26/20)), Süle (Borussia Dortmund/27/44), Rüdiger (Real Madrid/29/ 56), Platz (RB Leipzig/24/14 – 87. N. Schlotterbeck (Borussia Dortmund/22/8)) – Kimmich (Bayern München/27/73), Goretzka (Bayern München/27/47) – Gnabry (Bayern München/27/38 – 85. J. Hofmann (Bor. Mönchengladbach/30/19)), Gündogan (Manchester City/32/65 – 70. L. Sané (Bayern München/26/49)), Musiala (Bayern München /19/19) – Do. Müller (Bayern München/33/120 – 70. Schütze (Werder Bremen/29/3))

Richter: Danny Makkelie (Niederlande) – Zuschauer: 68.895 (ausverkauft). Tore: Morata 1:0 (62′), Krug 1:1 (83′). Gelbe Karten: Busquets (1) / Kehrer (1), Goretzka (1), Kimmich (1).

Gündogan ist nicht effektiv, Kehrer übertrifft zu oft: das deutsche Team in der Einzelkritik

Nachrichten: Der Kapitän lenkte einen Schuss von Olmo nur knapp an die Latte (7.). Ein Fehlpass blieb ohne Folgen. Machtlos im 18. Weltcup gegen Moratas perfektes Finish.

Kehrmaschine: Er kam als Rechtsverteidiger ins Team, aber das ist keine Lösung. Der West-Ham-Profi wird zu oft geschlagen. Beim 0:1 konnte er Jordi Alba, der die Flanke hergab, nicht mehr in die Quere kommen.

Spalte: Er ist besser in der Innenverteidigung. Oft gereinigt. Doch als die Spanier trafen, hoben die Dortmunder das Abseits auf und nutzten Moratas Schuss ins Leere (62.).

Rüdiger: Der Verteidiger von Real Madrid ist ein echter Tackler. Er ist der stabilste deutsche Verteidiger.

Platz: Zunächst sorgte der Leipziger Linksverteidiger für Unsicherheit. Dann ging er mit mehr Mut in die Zweikämpfe. Erhöhte sich im Laufe des Spiels.

Kimmich: Barças Pedri nahm den Bayern-Profi komplett aus dem Spiel. Er musste seine Offensivaktionen messen. Immer noch knapp am 1:0.

Goretzka: Die Dynamik und Körperlichkeit des Kraftpakets tat dem deutschen Spiel gut. Kämpfte gegen Barcas Jungstar Gavi.

Mittelfeldspieler Leon Goretzka durfte gegen Spanien von Beginn an spielen.

Foto: Christian Charisius/dpa

Gnabry: Der Bayern-Stürmer glänzt nicht mehr mit dem Nationaltrikot. Keine Tore seit über elf Monaten. 🇧🇷 Es ist viele Male ausgefallen – ersetzt.

Gündogan: Der Techniker stieg in Bezug auf das Japan-Spiel auf zehn auf. Dort nicht so produktiv. Die Einwechslung in der 70. Minute war diesmal nachvollziehbar.

Lied: Auf den Flügeln fiel der Bayern-Jungstar nicht auf. Mutiger Ausfall nach einem Schuss von Ferran Torres (36.). Dann zündete er die Mitte an: Er verfehlte den Torhüter (73.), bereitete aber das Tor von Füllkrug vor.
Müller: Als Angriffspunkt der erste Angriff der Spanier. Hohe Arbeitsbelastung, aber im 120. Länderspiel fehlten die großen Offensivaktionen.

Füllglas: Kam zu Müller – und leuchtete wie ein Joker. Im Strafraum war er sofort aktiv. Musialas Hereingabe kam spät, doch den zweiten Pass verwandelten die Bremer gut (83.).

Klostermann: Er ersetzte Kehrer auf der rechten Seite (70.), ohne besonders auffällig zu sein.

Gibt: München kam nach Knieproblemen als Joker. Es war eine Bereicherung – mit einer großen Chance in der Verlängerung.

Hofmann: Es kam nach dem 1:1 für Gnabry. Der Gladbacher war nicht mehr im Spiel.

Schlotterbeck: Kam spät im Zimmer an. Wichtige Entsorgung im Strafraum gegen Morata.

dpa

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