Preise sparen oder erhöhen? – htr.ch

Als Folge des Konflikts in der Ukraine ist die Inflationsrate in der Schweiz von 0,6 % auf heute 3,4 % gestiegen. Hotels, Gastronomie und Tourismus sind stark betroffen. Experten sagen, dass die Weitergabe an Kunden schwierig ist.

Produkte, Löhne und Energie werden in der Schweiz immer teurer. Der Energiesektor ist aufgrund der Krise in der Ukraine besonders von der Inflation betroffen. Das spüren besonders Unternehmen, die viel Energie fordern. Dazu gehören Wellnessanlagen und Bergbahnen. Auch die Logistik ist betroffen, weil das Tanken teurer wird als früher. Gemäss Swiss Touring Club zahlt man heute für einen Liter Benzin an der Zapfsäule 2,37 Franken, vor einem Jahr noch 1,50 Franken.

Ein weiterer Kostenfaktor ist der Fachkräftemangel. Da eine Auswahl an potenziellen Mitarbeitern fehlt, können Gastronomie- und Hotelmitarbeiter Gehaltsforderungen stellen, was zu höheren Gehältern führt. Teilweise steigen auch die Preise aufgrund schlechter Ernten. Im vergangenen Jahr war davon beispielsweise die Kartoffelernte in der Schweiz und die Kaffeeernte in Brasilien betroffen. Die Kartoffelernte war auf einen sehr feuchten Sommer zurückzuführen. Während der Kaffeeernte führten Trockenheit und nachfolgende Fröste zu Ernteausfällen.[RELATED]

Zinssätze als Instrument der Preisstabilität
Der Inflation kann mit verschiedenen Instrumenten entgegengewirkt werden. Zum Beispiel höhere Zinsen. Je höher die Zinsen, desto weniger Kredite werden vergeben und desto weniger Geld ist im Umlauf. Während dies das Wirtschaftswachstum verlangsamt, drückt es auch die Inflation. Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist der Richtwert für eine gesunde Inflation eine Rate von weniger als 2% pro Jahr. Um die Inflationsrate von 3,4 % zu senken, erhöhte die SNB den Leitzins am 17. Juni um 0,5 Prozentpunkte auf -0,25 %. „Und man kann davon ausgehen, dass noch ein Schritt kommen wird“, sagt Peter Gloor, Direktor der Schweizerischen Gesellschaft für Hotelkredit, mit einem Blick in die Kristallkugel. Damit endet eine lange Phase negativer Nominalzinsen.

Dollar und Euro verloren an Wert
Allerdings ist die Schweiz weniger von der Inflation betroffen als die Nachbarländer. In der Eurozone sind es 8,9 %, der höchste seit Einführung der gemeinsamen Währung im Jahr 1999. Da die Inflation in der Schweiz tiefer ist, sind Ferien hier theoretisch günstiger. Leider bleibt der Tourismusboom eine Illusion. Gäste aus Europa haben inflationsbedingt ein geringeres Reisebudget als in den Vorjahren. Zudem wurde der Euro in den letzten Monaten deutlich abgewertet. Der Umgang mit der Inflation ist eine grosse Herausforderung für die Schweizer Exportwirtschaft Tourismus. Wie trifft die Inflation die Hotellerie? Ist die Verbraucherstimmung überhitzt, wie es bei Inflation üblich ist? Soll die Kostensteigerung über Preiserhöhungen an die Verbraucher weitergegeben werden? Werden die Zinsen steigen? Soll der Staat den Tourismus subventionieren oder eine Preisobergrenze festlegen? Experten geben Antworten.

Eine echte Lohnerhöhung soll laut Gewerkschaftsbund im September möglich sein.

1. Wo wirkt sich die Inflation am stärksten auf die Hotellerie aus?
“Die Inflation wird von drei Hauptkomponenten angetrieben”, sagt Amy Ferguson von der Accor-Gruppe, “hohe Energiepreise, ein enormer Anstieg der Logistikkosten und Löhne.” Letzteres mitunter aufgrund des großen Arbeitskräftemangels in der Hotellerie, aber auch im Transport- und Produktionsbereich. Die Inflation betrifft somit alle Komponenten der Lieferkette – von Lebensmitteln und Getränken bis hin zu Verbrauchsmaterialien und Energie. Getrieben von steigenden Lebensmittelpreisen und inflationären Heizkosten, aber auch von der erwarteten Preisrunde bei den Krankenkassen fordert der Schweizerische Gewerkschaftsbund einen Inflationsausgleich. Auch eine echte Gehaltserhöhung soll im September in die Gespräche aufgenommen werden. Diese Maßnahmen sollen einer Rezession entgegenwirken.

Gastronomie und Hotellerie hat die schlechte Laune nicht oder noch nicht beeinträchtigt.

2. Ist die Verbraucherstimmung bereits eingetrübt?
Die Inflation heizt im Allgemeinen die Verbraucherstimmung an. Sparer geben das Geld lieber aus, als es auf dem Konto zu belassen, wo es an Wert verliert. Das Gegenteil ist der Fall: Die Verbraucherstimmung hat sich deutlich verschlechtert. Der Durchschnitt der letzten zehn Jahre lag bei -0,5 Punkten. Nach Beginn des Angriffskrieges in der Ukraine fiel er auf -42 Punkte. Die schlechte Stimmung hat bzw. hat die Gastronomie und Hotellerie nicht erfasst, wie eine punktuelle Umfrage zeigt. Die Sorell Hotels mit 16 Stadt- und Ferienhotels verzeichnen eine sehr gute Buchungslage. Die Remimag Gastronomie AG mit Sitz in Rothenburg und 28 Gastronomiebetrieben führt die Umsatzveränderungen auf andere Faktoren wie das Wetter, weniger Mäuseläden und mehr Homeoffice zurück.

Steigende Zinsen sind für die Hotellerie zweitrangig.

3. Kommt der Zinsschock nach Negativzinsen?
Der Leitzins der Schweizerischen Nationalbank liegt seit 2015 im Minus. Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. „Die zukünftige Entwicklung ist jedoch sehr schwer abzuschätzen und wird in der Schweiz stark von externen Faktoren wie Energie- und Treibstoffpreisen abhängen“, sagt Peter Gloor, Direktor der Schweizerischen Hotelkreditgesellschaft. An exorbitante Zinsen wie Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre glaubt er allerdings nicht, der Durchschnittswert hat sich bei 2,26 % eingependelt. „Unter Berücksichtigung der aktuellen Inflation von 3,4 % ist der Realzins immer noch negativ“, sagt er. Er glaubt nicht, dass Hotels wegen steigender Zinsen Probleme bekommen werden. Peter Gloor: „Höhere Zinsen sind für die Hotellerie zweitrangig.“ Viel tiefer geht es um das Ausmaß, in dem sich steigende Kosten auf den Betrieb auswirken.

Wir sind wie die Malediven der Alpen, etwas teurer, aber jeden Franken wert.

4. Wo ist derzeit der ideale Quellmarkt?
Die Inflationsraten sind in den meisten europäischen Ländern deutlich stärker gestiegen als in der Schweiz. Hinzu kommt der schwache Euro. Potenzielle Touristen haben weniger Geld im Reiseportemonnaie, und die Schweiz ist noch teurer geworden. Martin Nydegger von Schweiz Tourismus geht in die Offensive: «Wir sind wie die Malediven der Alpen, vielleicht etwas teurer, aber jeden Franken wert». Das Hochpreisland Schweiz muss deshalb weiterhin mit weltbester Gastfreundschaft, Qualität und nachhaltigen Zusatzleistungen wie kostenlosen öffentlichen Verkehrsmitteln überzeugen. In welchen Märkten sollten Sie jetzt fischen? Die Zielgruppe lässt sich nicht auf eine Nation beschränken. «Es ist eine Frage der Begeisterung», sagt der oberste Schweizer Tourismusdirektor. “Man muss Gäste tracken, die die Schweiz so sehr lieben, dass der Preis zweitrangig ist.”

Kunden von 2- und 3-Sterne-Hotels und einigen 4-Sterne-Hotels sind preisbewusst.

5. Der richtige Zeitpunkt für eine Preiserhöhung?
„Die Zeit ist nie reif“, sagt Rainer Willa von Hotelpartner Yield Management. Daher ist es bei der Analyse sinnvoll, zwischen Kundensegmenten und Hotelkategorien zu unterscheiden. Im Segment der 4- bis 5-Sterne-Hotels gibt es Gäste, die weniger oder gar nicht preissensibel sind. „Diese Hotels werden es leichter haben, die steigenden Kosten weiterzugeben“, sagt Willa. Preiserhöhungen in anderen Hotels werden schwieriger. „Kunden von 2- und 3-Sterne-Hotels sind preissensibel“, weiß er. Sie würden die Preise genau vergleichen. Zudem muss die Aufwertung des Schweizer Frankens berücksichtigt werden. Ferien für Ausländer in der Schweiz sind bereits 10% teurer. Wenn der Hotelier zusätzlich 10 % Mehrkosten weitergibt, wird der Urlaub um 20 % teurer. „Deshalb werden einige ausländische Kunden zu anderen Zielen abwandern“, sagt er.

Der Österreichische Hotelverband Steiermark fordert politische Unterstützung beim Energieeinkauf.

6. Subventionen für die Hotellerie?
Subventionen sollen die Inflation in den Nachbarländern eindämmen. In Deutschland wurde der sogenannte Tankrabatt eingeführt. In den Monaten Juni, Juli und August senkte die Regierung Steuern und Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel und senkte damit indirekt die Preise. Ökonomen sehen darin nur einen politischen Nutzen. Die Stimmung verbessert sich. Es macht keinen wirtschaftlichen Sinn. Allerdings fordert der Österreichische Hotelverband Steiermark auch politische Unterstützung für den Energiebezug. Gemäss HotellerieSuisse besteht in der Schweiz aufgrund tieferer Inflationsraten derzeit kein politischer Handlungsbedarf. Preisobergrenzen würden den Markt verzerren und den Anreiz für Unternehmen verringern, die Kostenstruktur zu überprüfen und anzupassen. Die Bekämpfung der Inflation liegt hauptsächlich in den Händen der SNB.

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