Sexuelle Gewalt und Essstörungen: Immer mehr Menschen brauchen Hilfe

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Von: Katharina Schmidt

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Ingrid Kathmann ist aktiv in
Ingrid Kathmann ist bei „mitGift“ und „Change my way“ aktiv. In der einen Hand hält sie die Vereinsbroschüre und in der anderen die Twistringer-Raute, die sie für ihr herausragendes Engagement erhalten hat. © Schmied

Ingrid Kathmann engagiert sich seit Jahren für Menschen, die von sexueller Gewalt betroffen sind oder unter Essstörungen leiden. Twistringen ehrte sie dafür.

Twist Fight – “Wie? Ein Verein gegen sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen, hier in Twistringen? Den gibt es hier gar nicht!” Diese Sprüche hörte Ingrid Kathmann, als sie 1997 gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen den Arbeitskreis „mitGift“ gründete.Seitdem sind 25 Jahre vergangen.In all dieser Zeit wurde immer wieder klar: Ach ja, den Twist gibt es.

Ingrid Kathmann ist Pionierin des autogenen Trainings

„Das passiert in jedem Dorf und jeder Kleinstadt“, sagt Ingrid Kathmann, die bei einem Kaffee auf ihrer Terrasse in Scharrendorf sitzt. “Und es werden immer mehr.” Unter anderem durch Corona und den damit verbundenen Griff haben Gefühlsausbrüche, sexuelle Gewalt und Übergriffe zugenommen. „Sie wissen nicht, wie hoch die Dunkelziffer ist“, fügt sie hinzu.

Es ist kein schönes Thema. Die Augen schließt Ingrid Kathmann jedoch nicht. Sie hilft den Betroffenen. Für ihr ehrenamtliches Engagement – ​​sowohl bei „mitGift“ als auch beim Verein „Change my way“, der jungen Menschen mit Essstörungen hilft, erhielt sie in diesem Jahr die Twistringer-Raute der Stadt. Es steht mit ihr am Esstisch und wirft wunderschöne Lichtflecken an die Wand, wenn die Sonne durch das Fenster scheint.

Hilfe zu finden

Ändere meinen Weg, Hilfe bei Essstörungen: Dörte Heyken (015154885402) und Anja Brötzmann (04241690777)

Beratungsstelle Papillon, Hilfe bei sexueller Gewalt: 04243 941263-0

„Das ist eine wirklich schöne Anerkennung!“ freut sich Ingrid Kathmann. Die 70-Jährige stammt ursprünglich aus dem Süden Oldenburgs und hat ihr Abitur in Vechta gemacht. Anschließend studierte sie Germanistik und Katholische Religion auf Lehramt in Osnabrück, unterrichtete später aber auch andere Fächer. Sie arbeitete jahrelang an der Grundschule Am Markt in Twistringen.

„Ich habe es immer geliebt, mich um die härtesten Schüler zu kümmern“, sagt sie. In der Folge bildete sie sich zur Beratungslehrerin weiter. Bereits in den 1980er Jahren setzte sie beispielsweise auf autogenes Training, also auf Entspannungstechniken, mit denen Kinder loslassen können. Damit war Ingrid Kathmann eine Pionierin.

Ingrid Kathmann war von Anfang an bei den Hilfsangeboten „mitGift“ und „Change my way“ dabei

Um mehr über Menschen und deren Verhalten zu erfahren, absolvierte sie ihre Ausbildung zur Ehe-, Familien- und Lebensberaterin. Damals begann die Gründung von „mitGift“.

Die Mitglieder verbrachten das erste Jahr hauptsächlich damit, zu lesen, Rednern zuzuhören und Informationen von Kliniken einzuholen. „Je mehr man sich damit auseinandersetzt, desto mehr erinnert man sich an das Erlebte“, sagt Kathmann. „Irgendwann fühlen wir uns stark genug, um anderen zu helfen. Wir sind vielen im Laufe der Jahre gefolgt.“ Wie viele genau, kann sie nicht mehr sagen. Es waren Hunderte.

Manchmal war “mitGift” eine Gelegenheit, jemandem zu vertrauen. Manchmal eine Zwischenstation auf dem Weg in die Psychiatrie oder Kindertherapie. Und manchmal auch Anlaufstelle für verzweifelte Eltern, die nie geahnt hätten, wozu ihr Partner fähig ist. Sexuelle Gewalt findet vor allem in der Familie oder im Bekanntenkreis statt.

Irgendwann kam der Arbeitskreis an einen Punkt, an dem klar wurde: Vereine können sich das alles nicht leisten. „mitGift“ und andere Vereine gegen sexualisierte Gewalt haben sich alle Mühe gegeben, die Politik ins Boot geholt und den Kreis Diepholz dazu gebracht, 2016 die Beratungsstelle Papillon zu eröffnen. „Das war ein sehr, sehr großer Erfolg“, berichtet Ingrid Kathmann. „Wir sind sehr stolz, dass uns das gelungen ist.“

Zum einen vermittelt „mitGift“ Hilfesuchende nun an die Beratungsstelle Papillon. Ingrid Kathmann verrät, dass der Verein selbst dieses oder nächstes Jahr eine größere Aktion plant, um auf das Thema sexuelle Gewalt aufmerksam zu machen.

Auch bei „Changing My Way“ ist die psychologische Pädagogin und Beraterin von Anfang an dabei. Der Verein besteht seit 2006.

In der Pandemie entwickeln mehr Kinder und Jugendliche Essstörungen

Während der Pandemie entwickelten mehr Kinder und Jugendliche Essstörungen. Das geht aus einem Bericht der DAK Gesundheit hervor. Der Anteil junger Patienten mit Essstörungen stieg 2021 gegenüber dem Vorjahr um 25 % und gegenüber 2019 um 40 %.

„In jeder Klasse gibt es Betroffene, manchmal auch mehr“, sagt Ingrid Kathmann. Sie selbst hatte noch nie eine Essstörung, aber mittlerweile kennt sie die Krankheit und ihre Tücken nur zu gut. Für die Betroffenen ist es nicht immer sichtbar.

Erstens hilft „Change My Way“ Mädchen und jungen Frauen, durch den Austausch in Gruppentreffen mit professioneller Unterstützung aus der Magersucht oder Bulimie herauszukommen. Dort lernen sie, dass sie gut sind, so wie sie sind. Was so einfach scheint, ist oft sehr schwierig: Laut Ingrid Kathmann können die meisten Teilnehmer zunächst nicht „Ich liebe mich selbst“ sagen. Es sind „all diese großartigen Mädchen und jungen Frauen“.

Neben Gruppentreffen besteht die Möglichkeit der Kontaktaufnahme in Einzelgesprächen. Der Verein ist auch dabei, eine Selbsthilfegruppe für Angehörige neu zu starten. Die „Change my Way“-Angebote sind kostenlos. Der Verein hält sich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden über Wasser. Kathmann bedauert, dass es keine Hilfe vom Staat oder Krankenkassen gebe, wie es bei Angeboten für Alkoholiker oder Suchtkranke im Landkreis der Fall sei.

Im Moment kann der Verein die Nachfrage decken. „Aber ich weiß jetzt schon, dass es im Herbst viele Anrufe geben wird.“ Das hat viel damit zu tun, dass der Unterricht von vorne beginnt.

„Ich mache das gerne“, sagt Ingrid Kathmann über ihr Engagement. „Ich finde es wichtig, sich in unserer Gesellschaft ehrenamtlich zu engagieren.“ Dann fügt sie hinzu: „Man bekommt viel zurück. Man freut sich, wenn man helfen kann und sieht, wie sich junge Menschen entwickeln.“

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