So erklärt der Achte Deutschlands die Niederlage im Europapokal

Vierter Platz bei der Europameisterschaft
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So erklärt der Achte Deutschlands die Niederlage im Europapokal

Alles war bereit für eine Medaillenfeier bei der Europameisterschaft auf der Regattastrecke in Oberschleißheim. Immerhin stand das Ruder-Achter-Finale bevor. Meist ein Erfolgsgarant im deutschen Team. Doch es kam anders.

Blauer Himmel, nur leichter Wind und eine jubelnde Menge – beim Rennen in Oberschleißheim war alles angerichtet für die ersten Höhepunkte der deutschen Ruderer bei der Europameisterschaft am Samstag. Während die Athleten in den vergangenen beiden Tagen mit starkem Gegenwind zu kämpfen hatten, waren die Bedingungen auf der Olympiastrecke von 1972 am Samstagmorgen nahezu perfekt.

Einer der Favoriten, Oliver Zeidler, nutzte dies, um souverän ins Finale zu paddeln. Und nach zwei schwierigen Tagen sah es für Alexandra Föster aus dem Sauerland bei der Europameisterschaft am Samstag endlich wieder gut aus. Der 20-Jährige, der in den vergangenen Wochen mit den besten Ergebnissen auf sich aufmerksam machte, belegte am Sonntag im A-Finale den zweiten Platz. Ebenso erleichtert war sie nach dem Rennen: „Ich bin die letzten Tage sehr enttäuscht von mir. Deshalb bin ich jetzt sehr froh, dass es besser gelaufen ist. Dass ich es geschafft habe, mir zu zeigen, dass ich das noch kann, dass es ein bisschen Hoffnung gibt, dass es morgen auch gut werden kann.“

Silber gab es für Para-Rudererin Manuela Diening auf der Single. Die Münsteraner Ehefrau war nach dem Erfolg restlos beeindruckt. “Ich bin so froh, dass ich hier nach all dem Training eine Medaille bekommen habe”, sagte sie.

Höhepunkt am Samstag war der letzte Achterlauf. Traditionell ist das deutsche Stoppboot ein Favorit. In dieser Saison waren die Briten jedoch meist zu weit weg für das neu formierte deutsche Team, mit nur drei Ruderern vom alten Team. Teilweise blieben den Briten noch fünf Sekunden. So ging die Mannschaft von Bundestrainer Uwe Bender zwar nicht als Favorit ins Rennen, gewann aber nach einer guten Bahnverteilung am Donnerstag an Selbstvertrauen.

„Wir sind in Deutschland immer noch Achter und wollen gewinnen“, sagte Laurits Follert aus Krefeld im Interview mit unserer Redaktion vor der EM. Für die deutsche Achter-Crew wurde am Samstag nichts daraus. Vierter Platz, keine Medaille. Von Briten und Niederländern überholt, lag Italien auch vor den Deutschen, wenn auch nur knapp. Auf den letzten 500 Metern fehlte die Kraft, um die Italiener unter Kontrolle zu halten.

Die Partystimmung in Oberschleißheim war sichtlich eingetrübt. Niedergeschlagen und versteinert verließen die deutschen Ruderer das Regattafeld.

Aber sie gingen nicht verloren. Torben Johannesen hatte keine Mühe, die Gründe für die bittere Heim-EM-Niederlage zu finden. Der Routinier kam kurzfristig als Scout für den verletzten Mattes Schönherr ins Spiel. „Heute wurden viele monatliche Gebühren bezahlt. Wir haben das genaue Gegenteil der Vorrunde gemacht, am Anfang sehr passiv“, sagte Johannesen. „Die Briten haben gezeigt, wie Rudern funktioniert, wir haben das Gegenteil gemacht und man ist überwältigt.“ Du hast sehr ängstlich angefangen. Der Scout führte dies auch auf die Unerfahrenheit des neuen Teams zurück. Bisher sind sie nur wenige Kilometer zusammen gelaufen, aber sie hatten einfach nicht den Mut, das Rennen zu bestreiten. „Manchmal muss man in gutem Deutsch ausweichen und in so einem Finale zeigen, was man drauf hat.“ Ständige Dienstplanänderungen aufgrund von Störungen hätten es nicht einfacher gemacht, sollten aber keine Ausrede sein.

Auch der Bundestrainer sah in der verschlafenen Partie einen Grund für Rang vier. Beim Spurverteilungsrennen ist das Team wunderbar von vorne gefahren. Jetzt ist genau das Gegenteil passiert: „Wir sind nicht vorne gestartet und haben direkt in der Defensive gespielt. Italien ging schnell weg, die Briten sowieso, die Rumänen waren auch unter den Top-Finishern. Wir waren in einer ganz anderen Situation als der, die wir besprochen hatten.“

Der Kampf um die Spitzenplätze war genau das Problem, das der jungen Mannschaft am Ende zum Verhängnis wurde. Während die Niederländer, die am Start eine Krabbe fingen und stoppten, in einem fulminanten Endspurt die anderen Boote überholten, fehlte den Deutschen die Geschwindigkeit und Power, um Italien wenigstens zu schlagen und am Ende Bronze zu holen.

Ein weiterer Grund für die schwache Fahrt: In der neuen Deutschland-Acht würden zwei Stilrichtungen aufeinandertreffen, sagte Johannesen. Die für Team A und die für die acht Junioren, von wo fast alle Neuzugänge ins Team kommen. Sie wurden noch nicht richtig zusammengeführt. Gerade im Hinblick auf die WM im September muss man zwei Wochen im Trainingslager in Kärnten hart arbeiten, um diese Stile aufeinander abzustimmen.

Auch der Bundestrainer sieht Nervosität als Grund für die Niederlage. Für viele aus dem Team war es das erste große Rennen, auch vor großem Publikum. Dies spielt eine Rolle. Einmal mehr bezeichnete er das erste Jahr nach dem Aufstand als ein Jahr des Lernens und Lehrens. Mit Blick auf Olympia 2024 befinde sich der Deutschland-Achter noch in der Anfangsphase der Neuausrichtung und müsse sich in vielen Bereichen technisch und körperlich noch weiterentwickeln, sagte Bender vor wenigen Tagen. „Man kann sagen, wir haben nicht genug Meilen zusammen. Und es ist hart, wenn man auf so einem neuen Boot Kilometer verliert“, sagte Laurits Follert de Krefeld vor der EM. Das soll im Finale passieren.

„Was wir im Training hart erarbeiten, müssen wir auch im Wettkampf umsetzen“, sagte Bender. Alter und Erfahrung spielen ebenfalls eine Rolle. Die EM war für fast alle eine völlig neue Situation. „Die Jungs waren vorher schon sehr, sehr angespannt, das habe ich in früheren Gesprächen gemerkt, dass der eine oder andere am Rande der Anspannung war“, so der Bundestrainer weiter.

Julian Garth vom Ruderverein Crefeld ist einer dieser Jungs. Er sei auch sehr angespannt gewesen und habe die Aufregung gemerkt, sagte Garth im Gespräch mit unserer Redaktion. „Aber ich denke, das ist normal, wenn man zum ersten Mal bei der EM antritt. Es wäre schlimm, wenn du nicht angespannt wärst, das setzt dich auch unter Druck“, sagte Garth. Neben den im Wasser verlorenen Kilometern sieht der 20-Jährige den Knackpunkt in der Renntaktik am Samstag: „Haben wir “Ich habe nicht das bekommen, was wir geplant haben. Wir haben es im Rennen um die Spurverteilung viel besser gemacht. ” Sie waren sehr euphorisch und haben ihre Taktik nicht richtig umgesetzt. Jetzt heißt es Kilometer sammeln für die WM, vor allem weil die Mannschaft neu aufgebaut werden muss. Garths Krefelder Teamkollegen Laurits Follert und Olaf Rogensack fehlen der WM Cup World aus beruflichen Gründen.

Die Lücke zu den Briten werde in diesem Jahr wohl nicht geschlossen, machte der Nationalmannschaftschef vor der WM deutlich. „Das ist eine Aufgabe bis Olympia 2024.“ Jetzt gilt es, nach vorne zu schauen, weiterzuarbeiten. „Das machen wir jetzt im Trainingslager“, sagte der Bundestrainer.

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